Zusammenfassung
Die Händlertransaktionen mit gebrauchten reinen Elektrofahrzeugen sind in Deutschland von rund 27.700 im Januar 2026 auf über 59.300 im April 2026 gestiegen, ein Plus von 114 Prozent. Transaktionen mit Verbrennern legten im gleichen Jahresvergleich nur um 0,8 Prozent zu. Der BEV-Anteil am deutschen Gebrauchtwagenmarkt erreichte mit 6,4 Prozent ein Allzeithoch. Zwei der drei neuen Förderinstrumente, die Verlängerung der Kfz-Steuerbefreiung bis 2035 und die 75-prozentige arithmetisch-degressive AfA, gelten auch für Gebrauchtwagen, während die einkommensgebundene Kaufprämie das nicht tut.
Eine aktuelle Auswertung von AutoUncle zeigt, dass sich die Transaktionen mit gebrauchten reinen Elektrofahrzeugen (BEV) in Deutschland in den ersten vier Monaten des Jahres 2026 mehr als verdoppelt haben, von rund 27.700 im Januar auf über 59.300 im April. Die Auswertung basiert auf Daten von über zwölf Millionen Händlerinseraten von Gebrauchtwagen in Deutschland und belegt, dass das Gebraucht-Elektrosegment mehr als viermal so schnell wuchs wie der übrige Gebrauchtwagenmarkt, parallel zum Inkrafttreten der neuen Kaufprämie zum 1. Januar 2026.
Während die Debatte um den Ausschluss von Gebrauchtwagen aus der Kaufprämie anhält, zeigen die April-Daten, dass die beiden weniger diskutierten Maßnahmen des Förderpakets, die Verlängerung der Kfz-Steuerbefreiung und die 75-prozentige AfA für gebrauchte E-Fahrzeuge im Betriebsvermögen, den Markt bereits spürbar in Bewegung gebracht haben.
Das Wachstum ist BEV-spezifisch, nicht allgemein
Das Wachstum sticht in einem ansonsten nahezu flachen Markt deutlich hervor. Im Jahresvergleich legten gebrauchte Verbrenner-Transaktionen im April nur um 0,8 Prozent zu und gebrauchte Plug-in-Hybride um 45 Prozent, während gebrauchte BEV-Transaktionen um 125 Prozent wuchsen. Damit stieg der BEV-Anteil am deutschen Gebrauchtwagenmarkt von 3,0 Prozent im April 2025 auf 6,4 Prozent im April 2026, dem höchsten jemals gemessenen Wert in der AutoUncle-Zeitreihe seit Januar 2020 und einer Verdreifachung des Anteils gegenüber April 2024 (2,1 Prozent). Der bisherige Höchststand lag bei 4,0 Prozent im November 2025.
Zwei der drei Maßnahmen gelten auch für Gebrauchtwagen
Im öffentlichen Fokus steht vor allem die neue Kaufprämie des Bundes, die zwischen 1.500 € und 6.000 € für neue E-Autos zahlt, sofern das zu versteuernde Haushaltseinkommen unter 80.000 € liegt, und deren Antragsportal erst im Mai 2026 öffnet. Die Kaufprämie gilt nicht für Gebrauchtwagen. Zwei weniger beachtete Instrumente wirken jedoch direkt auf den Gebrauchtmarkt:
1. Verlängerung der Kfz-Steuerbefreiung bis 2035. Die vom Bundestag am 4. Dezember 2025 beschlossene Änderung hält reine Elektrofahrzeuge bis längstens 31. Dezember 2035 steuerfrei, wobei die verbleibende Befreiung beim Verkauf auf den neuen Halter übergeht.
2. 75-prozentige arithmetisch-degressive AfA nach § 7 Abs. 2a EStG. Die Sonderabschreibung, die laut Bundesfinanzministerium ausdrücklich auch für gebrauchte E-Fahrzeuge gilt, sofern diese erstmals in das Betriebsvermögen aufgenommen werden, läuft vom 1. Juli 2025 bis zum 31. Dezember 2027. Konkret: Bei einem gebrauchten BEV für 30.000 €, der von einem Unternehmen als Betriebsvermögen angeschafft wird, beträgt allein die Sonderabschreibung im ersten Jahr 22.500 €, also ein fünfstelliges Abschreibungsvolumen, das die Liquiditätswirkung deutlich verbessert.
Angebot bleibt knapp, Standzeiten stabil
Mitte Mai bestehen nur 4,8 Prozent der bei deutschen Händlern angebotenen Gebrauchtwagen aus BEV, rund 70.000 Fahrzeuge gegenüber 1,27 Millionen Verbrenner-Inseraten. Die durchschnittliche Standzeit eines gebrauchten BEV liegt im April bei rund 60 Tagen, weitgehend unverändert gegenüber Ende 2025, was darauf hindeutet, dass die Nachfrage das zusätzliche Angebot fast so schnell aufnimmt, wie es eintrifft.
Mittelfristig zeichnet sich das umgekehrte Bild ab: Dieselbe Kaufprämie, die Gebrauchtwagen aktuell nicht abdeckt, sorgt für eine Neuwagenwelle, die voraussichtlich ab 2027 in den Gebrauchtbestand zurückkehrt. Autovista24 warnt in einer Analyse vom April 2026 vor einem möglichen BEV-Überangebot und sinkenden Restwerten in dieser Phase.
“In der öffentlichen Debatte steht meist die Kaufprämie für Neuwagen im Mittelpunkt. Aber zwei der drei Maßnahmen, die Steuerbefreiung und die arithmetisch-degressive AfA, wirken direkt auf gebrauchte E-Autos. Das schlägt schneller auf den Gebrauchtmarkt durch als auf den Neuwagenkanal, dessen Antragsportal überhaupt erst im Mai öffnet. Für Händler ist die Botschaft eindeutig: Der gebrauchte BEV ist in Deutschland kein Nischenkauf mehr” — Jonas Bylov, CEO von AutoUncle
Über die Daten
Die Auswertung basiert auf Daten von AutoUncle, dem europäischen Standard für Fahrzeugbewertungen und Preisvergleiche. Die Trendzahlen umfassen über zwölf Millionen Händlerinserate von Gebrauchtwagen in Deutschland von führenden deutschen Gebrauchtwagenmarktplätzen mit durchgehender Datenabdeckung über den gesamten Analysezeitraum von Januar 2025 bis April 2026. Die historische Zeitreihe für den BEV-Anteil reicht bis Januar 2020 zurück und basiert auf denselben Quellen. Im Unterschied zu den KBA-Halterwechseln, die alle Eigentumsübergänge erfassen, bilden die AutoUncle-Daten ausschließlich Händlertransaktionen ab und sind tagesaktuell verfügbar. Privatverkäufer, Leasingangebote und Neuwagen sind ausgeschlossen. Details zum Förderpaket stammen vom Bundestag, vom Bundesfinanzministerium, vom Bundesrat, vom Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) und vom European Alternative Fuels Observatory. Die Prognose zur Restwertentwicklung stammt aus einer Analyse von Autovista24 (April 2026).